Glossar
Begriffe, die hier vorkommen
Kurz erklärt, was in Berichten und Gesprächen über Getriebeakustik gemeint ist — in der Bedeutung, in der ich die Begriffe verwende.
- Akustikprüfstand
- Prüfstand mit ausreichend geringem Eigengeräusch und definierter Anbindung, um Getriebegeräusche reproduzierbar zu messen. Ohne Wiederholbarkeit ist kein Vergleich zwischen Bauständen möglich.
- Beschleunigungsaufnehmer
- Sensor, der Körperschall als Beschleunigung erfasst. Lage und Anbindung entscheiden mit darüber, welche Anteile überhaupt messbar sind.
- Campbell-Diagramm
- Darstellung der Amplituden über Drehzahl und Frequenz, in der Ordnungen als Geraden durch den Ursprung erscheinen. Sie macht sichtbar, wo eine Ordnung eine Struktureigenfrequenz kreuzt.
- Condition monitoring
- Fortlaufende Zustandsüberwachung im Betrieb, die Veränderungen an denselben Ordnungen über die Zeit verfolgt. Dieselben Kennzahlen wie in der Entwicklung, nur wiederholt statt einmalig.
- End-of-Line-Prüfung
- Akustische Prüfung jedes Getriebes am Ende der Fertigung, meist mit wenigen Sekunden Messzeit und festen Grenzwerten. Die Grenzwerte taugen nur, wenn sie an Ordnungen und nicht an Summenpegeln hängen.
- Getriebegeräusch
- Jedes vom Getriebe abgestrahlte oder über die Struktur weitergeleitete Geräusch. Es zerfällt in drehzahlgebundene Anteile, die an Ordnungen hängen, und lastabhängige Effekte wie Rasseln.
- Heulen
- Ein tonaler, mit der Drehzahl wandernder Ton, der von der Zahneingriffsordnung und ihren Harmonischen getragen wird. Ursache sind meist Verzahnungsabweichungen oder eine ungünstige Steifigkeitsverteilung.
- Körperschall
- Schwingung, die sich in Bauteilen fortpflanzt, gemessen mit Beschleunigungsaufnehmern an Gehäuse oder Lagerstellen. Der Weg vom Körperschall zum hörbaren Geräusch führt über die Abstrahlung der Struktur.
- Lagerschadensfrequenzen
- Aus Geometrie und Drehzahl berechenbare Ordnungen für Außenring, Innenring, Wälzkörper und Käfig. Sie erlauben, einen Lagerschaden von einer Verzahnungsursache zu unterscheiden.
- Luftschall
- Das über die Luft übertragene, mit Mikrofonen messbare Geräusch. Für die Ursachensuche ist Körperschall meist aussagekräftiger, weil er näher an der Quelle entsteht.
- NVH
- Noise, Vibration, Harshness — die Sammelbezeichnung für Geräusch, Schwingung und Rauigkeit eines Fahrzeugs oder Antriebs. Getriebeakustik ist der Teil davon, der vom Getriebe verursacht wird.
- Ordnungsanalyse
- Auswertung eines Signals nach Vielfachen einer Wellendrehzahl statt nach Frequenzen in Hertz. Eine Ordnung bleibt über den gesamten Drehzahlbereich dieselbe Zahl und lässt sich deshalb einem Bauteil zuordnen.
- Ordnungsspektrogramm
- Wie ein Campbell-Diagramm, aber mit Ordnungen statt Frequenzen auf einer Achse. Drehzahlgebundene Anteile stehen darin als senkrechte Linien, unabhängig von der Drehzahl.
- Rasseln
- Ein breitbandiges, unregelmäßiges Geräusch aus lastfreien Verzahnungen, die im Zahnflankenspiel anschlagen. Es hängt an Drehmomentschwankungen und nicht an einer festen Ordnung.
- Referenzwelle
- Die Welle, auf deren Winkel eine Auswertung bezogen wird. Bei mehreren Verzahnungen im Strang wird je lasttragender Verzahnung eine eigene Referenz verwendet.
- Seitenbänder
- Linien im Abstand einer Wellenordnung neben der Zahneingriffsordnung. Ihr Muster verrät, welches Rad des Paares die Abweichung trägt — die Eingriffsordnung allein sagt nur, welche Stufe.
- Trenngüte
- Maß dafür, wie sicher zwei dicht beieinanderliegende Anregungen in einer Auswertung auseinandergehalten werden. Eine Aussage ohne Trenngüte ist eine Vermutung mit Nachkommastellen.
- Übertragungsfunktion
- Der frequenzabhängige Zusammenhang zwischen einer Anregung und der Antwort an einer anderen Stelle. Sie erklärt, warum eine kleine Anregung laut werden kann, wenn der Übertragungsweg sie verstärkt.
- Ursachenanalyse
- Der Weg von einer gemessenen Ordnung zu dem Bauteil, das sie erzeugt — englisch root cause analysis. Er führt über das kinematische Modell des Radsatzes, nicht über Mustererkennung im Spektrum.
- Verzahnungsabweichung
- Abweichung der gefertigten Zahnflanke von der Soll-Geometrie, etwa in Profil, Flankenlinie oder Teilung. Solche Abweichungen sind die häufigste Ursache tonaler Getriebegeräusche.
- Verzahnungsqualität
- Die Toleranzklasse einer Verzahnung nach DIN/ISO, die zulässige Abweichungen festlegt. Eine bessere Qualitätsklasse begrenzt die Anregung, garantiert aber allein noch kein leises Getriebe.
- Wellensynchrone Auswertung
- Die Messung wird auf den Wellenwinkel bezogen statt auf die Zeit, in der Regel über einen Drehzahlgeber. Nur so bleiben drehzahlgebundene Anteile bei wechselnder Drehzahl scharfe Linien statt verschmierter Hügel.
- Zahneingriffsfrequenz
- Die Frequenz, mit der Zähne eines Radpaars in Eingriff kommen: Drehfrequenz der Welle multipliziert mit der Zähnezahl. In Ordnungen ausgedrückt ist es die Zahneingriffsordnung.
- Zahneingriffsordnung
- Die Zähnezahl des betrachteten Rads, bezogen auf seine eigene Welle. Sie ist der Träger des Heulens und der Bezugspunkt für die Seitenbänder.